Brainstormen in Tokio? Eine Auswanderin berichtet

Auswandern und für eine Zeit lang in einem fremden Land arbeiten, das steht bei vielen Schweizerinnen und Schweizern auf der Wunschliste. Patrizia Rigassi ergriff die Chance und wechselte aufgrund einer neuen beruflichen Position ihren Arbeitsort von Spreitenbach im Aargau nach Tokio, Japan. Im Interview erzählt sie von ihrer Auswanderung, neuen Herausforderungen und der einen oder anderen Überraschung. Dass bei den Finanzen alles klappte, dafür sorgte das Team für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer bei der Zürcher Kantonalbank.

Interview: Marc Duckeck

Patrizia Rigassi
«Man sollte einer neuen Kultur mit Offenheit begegnen»: Patrizia Rigassi in Tokio. (Bild: zVg)

Gleich einmal vorweg: Welche Eigenschaften sind Ihnen bei einer Bankbeziehung wichtig?

Ich schätze eine offene, schnelle und transparente Beziehung. Zudem ist es mir wichtig, eine persönliche Beraterin oder einen persönlichen Berater zu haben, Sie sollen mir bei allen finanziellen Fragen beiseitestehen und für mich gut und zeitnah erreichbar sein. Darüber hinaus ist ein einfaches und übersichtliches e-Banking zentral für mich.

Für Ihren Arbeitgeber führen Sie in Japan ein Team. Was ist für Sie die grösste Umstellung?

Eindeutig die Sprache. In Japan sprechen nur wenige Leute Englisch, die gesamte Kommunikation ist auf Japanisch. Sei es Menükarten in Restaurants, offizielle Briefe, Telefonanrufe bei der lokalen Bank oder beim Arzt oder sogar die Computertastatur. Zum Glück gibt es Google Image Translate.

Welche kulturellen Unterschiede gibt es?

Grundsätzlich hat die japanische Kultur zahlreiche Ähnlichkeiten mit der Schweiz. Wie bei uns sind beispielsweise Respekt, Freundlichkeit, Pünktlichkeit und das Einhalten von Regeln sehr wichtig. Doch gleichzeitig gibt es viele Unterschiede. Die Visitenkarte und der Jobtitel sind im Arbeitsleben sehr wichtig. In der Schweiz brainstormen wir gerne über verschiedene Themen und Projekte, bevor es an die Umsetzung geht – Brainstorming ist in Japan eher unüblich. Und kehren meine Teammitglieder von den Ferien zurück, bedanken sie sich bei mir, dass sie in die Ferien durften.

Patrizia Rigassi
«Die Japaner sind sehr rücksichtsvoll und sprechen eher leise. In Tokio ist es deshalb sehr ruhig und geordnet»: Patrizia Rigassi (Bild: zVg)

Haben Sie den Inselstaat schon länger für eine Auswanderung in Erwägung gezogen oder hatten Sie ursprünglich andere Destinationen im Kopf?

Weil ich viel Wassersport betreibe, waren meine Traumdestinationen ursprünglich Australien und Portugal. Doch nachdem ich an einem Leadership-Programm in Indien teilnehmen durfte, merkte ich, dass es mich sehr reizen würde, in ein weiter entferntes Land zu gehen, um mich weiterzuentwickeln, einen komplett anderen Markt kennenzulernen und Marketing neu zu entdecken. Und dann kam die Möglichkeit mit Japan.

Was hat Sie bei der Auswanderung überrascht?

Da Japaner sehr rücksichtsvoll sind, sprechen sie eher leise, was dazu führt, dass Tokio, die grösste Stadt der Welt, trotzdem sehr ruhig und geordnet ist. Das hat mich extrem überrascht.

Seit Juli 2023 sind Sie bereits in Japan. Erzählen Sie uns bitte mehr über Ihren neuen Alltag.

Unter der Woche arbeite ich abwechselnd im Homeoffice oder im Büro. Da die Mittagsmenüs in Restaurants vergleichsweise günstig sind – häufig günstiger, als wenn man selber kocht –, esse ich zu Mittag oft auswärts. Am Abend richte ich entweder die neue Wohnung ein oder entdecke ein neues Viertel in Tokio. Und an den Wochenenden geht’s an den Strand surfen! Leider gehören ab und an auch Erdbeben und Taifune zum Alltag.

Patrizia Rigassi
Patrizia Rigassi entdeckt gerne neue Viertel der Stadt. (Bild: zVg)

Haben Sie einen Tipp, wie man erfolgreich mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenarbeiten kann?

Man sollte sich Zeit nehmen, zuzuhören und die verschiedenen Leute kennenzulernen. Den Leuten und der neuen Kultur mit Offenheit begegnen und sich bei wichtigen Punkten anpassen, währenddessen man sich selber jedoch treu bleibt. Es kann sehr helfen, eine andere ausländische Vertrauensperson zu haben, die man um Rat fragen kann. Und häufig hilft auch eine grosse Portion Geduld.

Was vermissen Sie bereits aus der Schweiz?

Gutes Brot.

Welche Tipps können Sie anderen Auswanderern auf den Weg geben, die nach Japan ziehen?

  • Ladet Google Image Translate runter – die App hilft bei der Navigation durch den Alltag.
  • Kauft einen Namensstempel (Hanko), ansonsten kann man kein Bankkonto eröffnen.
  • Bringt Offenheit, Neugierde und Geduld mit.
  • Geniesst das tolle Land, die unglaubliche Natur, das tolle Essen und die verrückten Städte!

Abschliessend: Was zeichnet die ZKB vor allem aus?

Ich fühle mich bei der ZKB seit Jahren sehr gut aufgehoben. Anfragen werden stets sehr schnell, unkompliziert und professionell bearbeitet. Den persönlichen Kontakt mit meinem Bankberater schätze ich sehr und diese Unterstützung hat meine Auswanderung extrem vereinfacht.

Auswandern: Was finanziell zu beachten ist

Inwiefern können Sie Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer bei einer Wohnsitzverlegung ins Ausland unterstützen?

Der Wegzug ins Ausland bringt viele wichtige Veränderungen mit sich, natürlich auch finanzieller Natur. Dabei ist es wichtig, der eigenen, persönlichen Lebenssituation entsprechend umfassende, massgeschneiderte, und individuelle Lösungen zu erhalten. Wir bieten für unsere Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer nebst einer breiten Produkt- und Dienstleistungspalette eine ganzheitliche Beratung mit Lösungen in den Bereichen Zahlen, Sparen und Anlegen sowie Immobilienfinanzierungen für Schweizer Objekte an – dies aus einer Hand, ein Leben lang, auch bei einem erneuten Domizilwechsel.

Sie haben ebenfalls als Kundenbetreuer im Schweizer Markt gearbeitet. Wie unterscheidet sich das Private Banking International zum Schweizer Geschäft?

Die persönliche Lebenssituation meiner im Ausland lebenden Kunden ist im Vergleich zum Schweizer Geschäft natürlich anders. Es ist eine erfüllende Aufgabe, unsere Kunden beim Wegzug ins Ausland und bei ihren finanziellen und persönlichen Bedürfnissen, trotz teils tausenden Kilometern Entfernung, nahe begleiten zu können. Nebst meiner Leidenschaft für das Banking inspirierten mich schon immer die vielseitigen, spannenden Stories der Menschen. Nebenbei gibt es natürlich auch rechtliche, regulatorische und steuerliche Besonderheiten im Vergleich zum lokalen Geschäft in der Schweiz, wo wir gerne zur Seite stehen und Unterstützung bieten.

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