Annette Hug erhält den ZKB Schillerpreis 2022

Die Schriftstellerin erhält für ihren Roman «Tiefenlager» den mit 10'000 Franken dotierten ZKB Schillerpreis 2022.

Text: Markus Sulzer und Johanna Stauffer / Bilder: Dominique Meienberg

ZKB Schillerpreis 2022 - Bankpräsident Jörg Müller-Ganz überreicht Annette Hug den ZKB Schillerpreis 2022.
Bankpräsident Jörg Müller-Ganz überreicht Annette Hug den ZKB Schillerpreis 2022.

Wie ist längerfristig mit radioaktivem Müll umzugehen? Dieser nach wie vor ungelösten Frage nehmen sich in Annette Hugs eigenwilligem Roman «Tiefenlager» fünf Menschen aus den verschiedensten Gegenden der Welt an. Um sicherzustellen, dass das Wissen und die Umsicht im Umgang mit Tiefenlagern über Generationen übermittelt wird, gründen sie einen Orden. Denn: Klöster haben sich bekanntlich als besonders dauerhafte Institutionen erwiesen.

Auf diese faszinierende Grundidee ging Bankpräsident Jörg Müller-Ganz bei seiner Laudatio an der Preisverleihung im Literaturhaus Zürich ein: «Nur dank der mittelalterlichen Klöster konnte das Wissen der Antike, wenn auch unter strengem Verschluss, erhalten und in die Renaissance und Neuzeit überliefert werden. Ohne diese klösterliche Tradition wäre dieses breite Wissen im dunklen Mittelalter für die Gesellschaft für immer verloren gegangen. Das Fundament für Humanismus, Aufklärung und die heutige Wissenschaft wäre schlicht nicht mehr vorhanden gewesen». In diesem Zusammenhang stellte er auch einen Bezug her vom ersten abendländischen Kloster in Saint-Maurice über Felix, Regula und Exuperantius zur Zürcher Kantonalbank und ihrem Schillerpreis.

Fantasievollen Umgang mit gesellschaftlichen Fragen

Dominik Müller, Präsident der Schillerstiftung, lobte die Originalität und kühne Konstruktion von Annette Hugs Roman. Die Jury überzeugte den ebenso verantwortungsbewussten wie fantasievollen Umgang mit gesellschaftlichen Fragen sowie die anrührenden Porträts der Ordensgründerinnen und -gründer.

ZKB Schillerpreis 2022 - Annette Hug im Gespräch mit Gesa Schneider, Leiterin des Literaturhauses Zürich
Annette Hug im Gespräch mit Gesa Schneider, Leiterin des Literaturhauses Zürich.

Nach der Laudatio überreichte Bankpräsident Jörg Müller-Ganz den ZKB Schillerpreis 2022, symbolisiert durch die Skulptur «Held Anti Held» des Zürcher Künstlers Max Grüter. Der traditionsreiche Literaturpreis – er wird seit 1979 vergeben – ist mit einem Preisgeld von 10'000 Franken dotiert. Zum Abschluss des offiziellen Teils unterhielt sich Gesa Schneider, Leiterin des Literaturhauses Zürich, mit der Preisträgerin. Zur Freude der Gäste aus Kultur, Politik und Wirtschaft gab Annette Hug eine kurze Leseprobe. Abgerundet wurde der Abend mit einem Apéro riche und einem anregenden Austausch.

Wer Annette Hug live bei einer Lesung erleben möchte, hat dazu am 7. November im Literaturhaus Zürich die Gelegenheit.

Zur Person

Annette Hug, geboren 1970 in Zürich, hat in Zürich und Manila Geschichte und «Women and Development Studies» studiert. Nach Tätigkeiten als Dozentin und Gewerkschaftssekretärin lebt sie heute als freie Autorin in Zürich. Für ihren dritten Roman «Wilhelm Tell in Manila» erhielt sie den Schweizer Literaturpreis des Schweizer Bundesamtes für Kultur.

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