Freier Handel mit dem Kosovo

Die Schweiz stärkt ihre internationalen Handelsbeziehungen durch ein neues Freihandelsabkommen mit dem Kosovo. Dieses Abkommen setzt nicht nur ein politisches Zeichen, sondern fördert auch die wirtschaftliche Integration und den Austausch. Besonders das Abkommen mit dem Kosovo unterstreicht die Bedeutung der Schweiz als verlässlicher Partner in der globalen Wirtschaft.

Text: David Marmet

Flagge Kosovo
«Mit dem Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und dem Kosovo zeigen wir, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit auch in politisch schwierigen Zeiten möglich ist und neue Chancen eröffnet»: David Marmet, Chefökonom Schweiz. (Bild: Getty Images)

Das Wirtschaftswachstum und somit auch der Wohlstand der Schweiz basieren zu einem wesentlichen Teil auf dem internationalen Handel mit Gütern und Dienstleistungen sowie auf grenzüberschreitenden Investitionstätigkeiten. Der Schweizer Staat unterstützt hiesige Unternehmen dabei, indem er günstige Rahmenbedingungen schafft. Jüngste Beispiele dafür sind die im Januar 2025 unterzeichneten Frei-handelsabkommen mit dem Kosovo und mit Thailand.

Das politische Signal der Schweiz

Im Fall des Kosovos stechen drei Aspekte hervor. Erstens setzt die Schweiz politisch ein starkes Zeichen. Wie der Bundesrat schreibt, soll mit dem Freihandelsabkommen die strukturelle Integration des Kosovos in der Wirtschaftszusammenarbeit auf europäischer und internationaler Ebene unterstützt werden. Bis heute wird dem Kosovo der Weg in die Vereinten Nationen (UNO) verwehrt, da sich Russland und China als ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates auf die Seite Serbiens stellen. Aber auch innerhalb der EU gibt es fünf Länder, welche die 2008 ausgerufene Unabhängigkeit des Kosovos nicht anerkennen: Griechenland, Slowakei, Rumänien, Zypern und Spanien. Spanien wohl deshalb, weil es fürchtet, den katalanischen Autonomiebestrebungen Auftrieb zu verleihen. Die Schweiz hat nun sowohl mit dem Kosovo als auch mit Serbien (seit 2010) ein Freihandelsabkommen.

Schwache wirtschaftliche Verflechtungen

Zum zweiten Aspekt: Die wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Kosovo sind bis heute sehr schwach. Weltweit betreibt die Schweiz mit 83 Ländern intensiveren Handel als mit dem Kosovo. 2024 wurden Waren im Wert von 83 Millionen Franken aus dem Kosovo importiert. Dies entspricht 0,04 Prozent des gesamten Schweizer Importvolumens. Bei den Einfuhren handelte es sich vor allem um Wohnungseinrichtungsgegenstände, Metallwaren, Kunststoffe und forstwirtschaftliche Produkte. Umgekehrt wurden Schweizer Waren im Wert von 74 Millionen Franken in das Kosovo exportiert – 0,03 Prozent aller Schweizer Warenausfuhren. Exportschlager waren mit 28 Millionen Franken Strassenfahrzeuge, gefolgt von Medikamenten und Industriemaschinen.

Starke Bevölkerungsverflechtungen

Anders als bei der Handelsverflechtung ist drittens die Verflechtung mit der Bevölkerung stark. Im Kosovo leben rund 1,7 Millionen Menschen, Tendenz sinkend. In der Schweiz leben rund 116 000 Kosovarinnen und Kosovaren, Tendenz steigend. Setzt man also die ständige ausländische Wohnbevölkerung der Schweiz ins Verhältnis zur Bevölkerung des Ursprungslands, beträgt der Anteil im Falle des Kosovos knapp 7 Prozent. Damit nimmt dieses Land mit Abstand den Spitzenplatz ein. An zweiter Stelle folgt Nordmazedonien mit knapp 4 Prozent, vor Portugal mit 2,5 Prozent und Eritrea mit 1,2 Prozent. Bei allen anderen Staaten liegt dieses Verhältnis im Promillebereich.

Für die Schweiz, die stark in die Weltwirtschaft eingebunden ist, wäre eine weltweite Liberalisierung und Vereinfachung des Handels im Rahmen des von der Welthandelsorganisation (WTO) verfolgten multi-lateralen Ansatzes die beste Variante. Bekanntlich entsprechen multilaterale Ansätze nicht dem geopo-litischen Zeitgeist. Umso wertvoller ist es, dass die Schweizer Politik nicht davor zurückschreckt, mit De-facto-Staaten wie dem Kosovo ein Freihandelsabkommen abzuschliessen, auch wenn sich dies aufgrund der noch schwachen bilateralen Warenhandelsströme nicht aufgedrängt hat.

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